Barcamp Renewables diskutiert Wege aus der Klimakrise

Barcamp Renewables

Wie retten wir den Planeten vor dem Klimakollaps? An Ideen und Lösungsansätzen mangelte es den 100 Teilnehmern des 8. Barcamp Renewables wahrlich nicht. In knapp 30 Sessions, während der Pausen und abends im Kasseler Sudhaus wurden alle Facetten der Energiewende und zum Klimaschutz diskutiert. Mit dabei waren auch Schüler, die sich bei Fridays for Future engagieren und ihre Eltern, die bei Scientists for Future aktiv sind. Fazit: Nicht nur Greta, sondern viele Einzelpersonen machen einen Unterschied: Durch Protest, Aufklärung und „Einfach-Machen“.

Beim Barcamp gab es viel Raum, um Wissen weiterzugeben, sich zu vernetzen und inspirierende Ideen aufzunehmen. Von Energie-Communities, der Wärmewende über Wasserstoff als Energieträger, warum Solarstrom immer noch die Energieform der Zukunft ist, bis hin zu Stroh als Dämmstoff. Wie in den vergangenen Jahren boten die Teilnehmer eine enorme Themen-Bandbreite an. Oft fiel die Entscheidung schwer, welche der parallel stattfindenden Sessions man wählen sollte.

Barcamp Renewables 2019: Our Climate, our Future

Hier ein kleiner Einblick in Sessions, die ich besucht habe:

„Wie ich meinen energetischen Fußabdruck um 80 % reduziert habe“

Stefan Krüger gab einen spannenden Einblick in sein persönliches Energiewendeprojekt: Ein „Haus ohne Auspuff“. Dank Solaranlage, Eisspeicherheizung und E-Mobilität konnte er den CO2 Ausstoß seines 4-Personen-Haushalts von 40.500 kg auf 7.200 kg reduzieren. Mit seinem Pioniergeist, Erfindungsreichtum und Durchhaltevermögen begeisterte er die Zuhörer und resümierte: Niemand kann alles, aber gemeinsam kann man viel. Ein schönes Motto für das Barcamp.

Ein ostfriesisches Dorf macht mobil

Wieder dabei bei der diesjährigen „Unkonferenz“ war Christian Andresen, der inspiriert durch das Kasseler Format sogar ein eigenes Barcamp Zukunftsenergien in Schleswig-Holstein organisiert. Sein Vortrag nahm uns mit in das ostfriesische Dorf Sprakebüll mit der höchsten Dichte an E-Mobilen. Neben Bürger-Windkraftanlagen verfügt das Dorf über Biogasanlagen, Dächer mit Photovoltaikanlagen und eCarsharing. Aktuelles Projekt ist die Neu-Anschaffung bzw. Umrüstung der landwirtschaftlichen Diesel-Traktoren auf Elektromobilität. Gibt’s noch nicht oder nur als Prototyp? Dann wird eine eigene Lösung erfunden. (Btw: Falls jemand funktionierende Batterien aus nicht mehr funktionstüchtigen Teslas hat, möge er sich bitte in Sprakebüll melden. Dort gibt es in jedem Fall Verwendung.)

Ich wünsche mir, dass alle Zweifler und Nörgler dieses engagierte Dorf besuchen, um hautnah zu erfahren, wie ganz „normale“ Bürger die Energiewende leben. Heißer Tipp: 8./9.11. zum Barcamp fahren, Christian führt euch sicher gerne herum.

Fridays for Future: Perspektiven für die Bewegung

Besonders gefreut habe ich mich über das große Interesse der Teilnehmer an der Session zur Fridays for Future-Bewegung. Zu Besuch in die Solar Academy kamen Marthe und Jonathan von der Kasseler Schüler-Gruppe sowie Gudrun Spahn-Skrotzki und Prof. Rüdiger Faust, Eltern der beiden Aktivisten und aktiv bei Scientists for Future. Die vier gaben einen Einblick in ihr Engagement für den Klimaschutz. Sie warnten davor, sich auf den Erwartungen und Hoffnungen an die Jugend auszuruhen. Die Aufgabe von Fridays for Future sei es, Öffentlichkeit zu schaffen und wachzurütteln. Darüber hinaus brauche es jede und jeden. Ihr Aufruf: Wir alle sind gefragt, nicht nur die Jugend. Eine gute Gelegenheit selbst aktiv zu werden ist der nächste globale Protesttag am 29.11. Außerdem gibt es zahlreiche Gruppen wie Scientists oder Parents for Future, denen man beitreten kann.

Konzern-Lobbyismus gegen Klimaschutz

Wie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bereits in der Vergangenheit durch PR- und Lobbyarbeit die Energiewende 2012 mit einer beispiellosen Hetzkampagne gegen das EEG torpediert hat, wissen einige von uns noch zu gut. Das Ergebnis: Drastischer Einbruch beim Zubau von PV-Anlagen und Onshore-Windkraftanlagen und der Verlust von 120.000 Arbeitsplätzen. Tina Ternus, Energiebloggerin der ersten Stunde, hat nun auch den neuen Etikettenschwindel der INSM in Sachen Klimaschutz unter die Lupe genommen und warnte die Fridays-for-Future-Bewegung davor, der Lobbygruppe auf den Leim zu gehen. Mehr Details findet ihr dazu im sehr lesenswerten Artikel im PV Magazine von Tina.

Social Media Session zu YouTube-Trends

Als Energieblogger haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, über die Energiewende aufzuklären. Dies geschieht längst nicht mehr nur über klassische Blogs. Das Medium Video wird immer wichtiger, schließlich ist YouTube die zweitgrößte Suchmaschine der Welt und buhlen alle sozialen Netzwerke um Videocontent. Deshalb habe ich unsere Erfahrungen von SMA in einer Session zusammengefasst, Tipps gegeben wie Videos erfolgreicher werden und wie man auch für kleines Geld professionelle Videos produzieren kann (hier ein Beispiel über unsere Solar Academy, die (außer dem Drohnenflug am Anfang) nur mit dem Smartphone gedreht wurde.) Für alle, die noch einmal reinschauen wollen, hier meine Präsentation und eine Checkliste, die euch beim Upload von YouTube Videos helfen soll.

Führung durch das Solarwerk

Abgerundet wurde das Barcamp mit einer Führung durch die SMA Zentral-Wechselrichter-Fertigung. Etwa 30 Barcamper folgten meinem Kollegen Peter Henniges durch das Kasseler Solarwerk. Auch wenn Freitagnachmittags dort nicht mehr allzu viel los war, haben sie einen guten Einblick in die Produktion der „großen“ Photovoltaikwechselrichter und die Elektronikfertigung bekommen – und kamen angeregt und äußerst vergnügt zurück.
Ein schöner Abschluss eines tollen Events.

Bis zum nächsten Mal

Das achte Barcamp Renewables war wieder ein voller Erfolg, das haben die vielen begeisterten Rückmeldungen gezeigt. Mir hat das Event vor allem Mut gemacht. Und gezeigt, was jeder einzelne bewegen kann, ob auf der Straße, im Netz oder in seiner Nachbarschaft. Die Lobby der Erneuerbaren Energien ist vielfältig, engagiert und hat einen langen Atem.

 

 

2 Kommentare
  1. Avatar
    Andreas sagte:

    Danke Dir, Leonie, für den Einblick in die Themen beim diesjährigen Barcamp Renewables. Ich habe es leider nicht geschafft.

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